Zum Buch:
Anna Boberg, Ehefrau des schwedischen Architekten Ferdinand Boberg, reist Anfang der 1930er Jahre zum letzten Mal auf die Lofoten. Um jeden Preis will sie dort das Bild malen, das sie in ihrer Heimat Schweden ebenso berühmt machen wird, wie sie es in Frankreich und Italien zu diesem Zeitpunkt bereits ist. Sophie van der Linden begleitet die Künstlerin im Geiste auf dieser letzten Reise und lässt sie sprechen.
Die Lofoten sind Annas Muse, sie hat sie nicht gesucht. Aber auf einer Expedition im Jahr 1901 kommt sie mit ihrem Mann in diese Landschaft und ist tief berührt. Fortan folgt sie jedes Jahr dem Ruf der Arktis: „dem des ohrenbetäubenden Windes, der Sternenhaufen, der weißen Grenzenlosigkeit, die sich in wechselnden Nuancen einfärbt.“
Sie reist allein, denn „um das unermessliche Verlangen zu stillen, etwas zu erschaffen, muss ich mir selbst gehören.“ Die Künstlerin wird das, was sie sieht, so malen, wie sie es empfindet.
Annas Ergriffenheit von den Farben der Lofoten, die in das Reisetagebuch eingeflochtenen Erinnerungen an die eigene Jugend und die kinderlosen, aber glücklichen Jahre mit ihrem Mann, den sie dort oben durchaus vermisst, ihre Erlebnisse mit den Fischern, die sie mit auf See nehmen – all das hat Sophie van der Linden, inspiriert von der Autobiografie der Künstlerin, in wunderbare Worte gefasst.
Dieses schmale Buch ist unglaublich gehaltvoll – es ist eine Hommage an die Landschaft der Lofoten, es ist ein Plädoyer für unbedingte Selbstbestimmung als Voraussetzung weiblicher Schaffenskraft, es ist ein Tagebuch des Ringens um den eigenen Ausdruck im Malen, und es ist ein Gesellschaftsporträt des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts aus der Sicht einer Künstlerin. Der Band ruft danach, wieder und wieder gelesen zu werden, es gibt darin so viel zu entdecken!
Susanne Rikl, München