Zum Buch:
Ruanda, Ostafrika. Sommer 1994. Über fünfhunderttausend Menschen wurden zu Opfern eines Völkermordes, den die ruandische Regierung sowie die freien Medien als eine Form von Stammeskrieg zwischen den ewig verfeindeten Hutu und den Tutsi darstellten, man wollte sich da lieber nicht großartig einmischen. Die Opfer waren fast ausschließlich Tutsi, Männer, Frauen, Kinder, und wenn einige Hutu dabei waren, dann nur deshalb, weil sie sich an den Tötungen nicht beteiligen wollten, oder sogar flüchtigen Hutu Schutz oder Hilfe gewährten. Kein Zeuge darf überleben ist eine außergewöhnlich informierende, alles andere als trockene Studie über den Genozid in Ruanda, die sich auf Zeugenaussagen sowohl von Überlebenden, als auch denen von Tätern und Mittätern stützt, bisher nie veröffentlichte Dokumente und Aussagen von Diplomaten erbringen außerdem noch den erschreckenden Nachweis dafür, das sich die internationale Staatengemeinschaft trotz ausreichender Vorzeichen nicht dazu veranlasst sah, die Katastrophe abzuwenden oder zumindest zu beenden. Das bestialische Gemetzel, das Abschlachten, das dreizehn Wochen andauerte, war weniger “…ein neuer Kreislauf ethnisch motivierter Gewalttaten”, als vielmehr der drastische Versuch einer Hutu-Elite, ihre Macht in dem von Krieg und Entbehrung ausgelaugten Land zu sichern, indem sie Haß und blinde, zerstörerischer Wut unter den bevölkerungsstärkeren Hutu verbreiteten, der anschließend in einen wahnsinnigen Blutrausch gipfelte. Über Radioempfänger wurde tagtäglich zum Morden aufgerufen, Vertreter von Kirche und auch der Unterhaltungsbranche, bekannte Dichter und Sänger, riefen einstimmig zu den Macheten, es wurde verbrannt, erschossen, verstümmelt, vergewaltigt, dreizehn Wochen lang. Alison Des Forges Studie offenbart die Hintergründe dieser Schlächterei, er schreibt nicht verallgemeinernd und sehr verständlich, man könnte auch sagen, spannend, wenn es nicht so unfassbar wäre. Dies ist ein Buch nicht nur für Afrikaspezialisten oder solche, die es werden wollen, es ist ein lebendiges Zeugnis, mehr als nur Geschichte. Alison DesForges ist Berater der NGO Human Rights Watch, und nach deren Einschätzung, was weitere unabhängige Beobachter bestätigt haben, sind die Tutsi möglicherweise bis zu einem knappen Viertel ihrer einstigen Bevölkerungsanzahl von den Hutu dezimiert, ausgerottet worden. Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln

