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Für euch würde ich kämpfen

Autor
Weigandt, Artur

Für euch würde ich kämpfen

Untertitel
Mein Bruch mit dem Pazifismus
Beschreibung

In seinem Buch Für Euch würde ich kämpfen beschreibt der Journalist Artur Weigandt – lange Jahre überzeugter Pazifist – wie es ihm im Kontakt mit ukrainischen Soldaten immer schwerer fiel, seine grundsätzliche Einstellung gegen den Krieg aufrecht zu erhalten. Sein Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, sich nicht hinter einer – häufig wohlfeilen – Friedensliebe zu verstecken, sondern sich damit auseinanderzusetzen, dass der Krieg, auch wenn man ihn ablehnt, ungewollt zu einem kommen kann und man sich spätestens dann entscheiden muss. Das Buch ist für alle diejenigen geschrieben, „die wissen, dass Frieden mehr verlangt als Wünsche – und für jene, die den Preis dafür noch nicht kennen“. Das ist unbedingt lesenswert.

(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
C.H.Beck Verlag, 2025
Seiten
208
Format
Broschur
ISBN/EAN
978-3-406-84016-6
Preis
18,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Artur Weigandt wurde 1994 in Uspenka (Kasachstan) geboren, studierte in Frankfurt am Main Ästhetik, verbrachte aber auch längere Zeit in Prag, Kyjiw und Tbilissi. Er absolvierte eine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München. 2021 wählte ihn das Medium-Magazin zu den Top-30-bis-30-Journalisten. Journalistische Stationen unter anderem bei F.A.Z., ZEITmagazin, ZEIT und WELT. Bei Hanser Berlin erschien 2023 sein Debüt Die Verräter.

Zum Buch:

Arthur Weigand, Kind eines russlanddeutschen Vaters und einer Mutter mit ukrainischen und belarussischen Wurzeln, wurde in Kasachstan geboren, wohin die Familie des Vaters unter Stalin deportiert worden war, und kam 1995 als Einjähriger nach Deutschland. In der Schule wurde er als Außenseiter und „Russe“ regelmäßig verprügelt, und je mehr er sich wehrte, umso heftiger wurden die Attacken seiner Angreifer. Daraus zog er die Lehre, „dass Stärke nicht in der Gewalt liegt – sondern im Widerstand“. Später auf der Universität bewegte er sich in einem pazifistischen Milieu. Er war Pazifist nicht nur aus moralischer Haltung, sondern weil Pazifismus „als Ausweis von Intellektualität und Weltläufigkeit“ galt.

Aber seit dem russischen Einfall in die Krim, den Donbass und dem weiteren Verlauf des Krieges gegen die Ukraine empfand er seine bisherigen Denkmuster, Argumente und Parolen zunehmend als schaler. Als Journalist, der sich überwiegend mit osteuropäischen Themen befasst, wuchs sein Unbehagen am Pazifismus so weit, dass er „die Fähigkeit zu schreiben verlor“. Da Schweigen für ihn keine Option war, schloss er sich als Dolmetscher der Ausbildungsmission der Bundeswehr am Leopard-1-Panzer für ukrainische Soldaten an. Dort traf er auf Menschen, die sich nicht danach gedrängt hatten, in den Krieg zu ziehen, für die Pazifismus aber keine Option war. Die Frage stellte sich gar nicht, denn der Krieg kam zu ihnen und ist geblieben – für alle im Land. Niemand entgeht ihm, denn Krieg bedeutet nicht nur, an der Frontlinie mit der Waffe zu kämpfen. Er ist allgegenwärtig, frisst sich in die Gedanken und Gefühle aller Menschen und macht nirgends halt.

Nach seiner Tätigkeit als Dolmetscher ging Weigandt nach Kyiw und später an die Front bei Charkiw. Seine Begegnungen mit Soldaten und Zivilisten, seine Schilderungen der Bedingungen, unter denen die Menschen dort leben, sind beklemmend und berührend. Für ihn, der sich selbst als Feigling bezeichnet, dienen sie zur Auseinandersetzung mit seiner Haltung. Er lehnt den Pazifismus als Idee nicht ab, wirft aber vielen, die sich als Kriegsgegner bezeichnen, vor, Pazifismus als Feigenblatt zu benutzen und sich hinter ihren Argumenten zu verstecken.

Für Euch würde ich kämpfen ist ein leidenschaftliches Plädoyer für „Wehrhaftigkeit“ – was für den Autor nicht gleichbedeutend damit ist, zur Waffe zu greifen. Wehrhaftigkeit beginnt im Kopf. Es ist die Erkenntnis, dass Frieden nicht selbstverständlich ist, sondern verteidigt werden muss – auch mit der Waffe. Dabei geht es nicht um hochtrabende Begriffe wie Vaterland oder gar Deutschtum, sondern darum, Menschen zu schützen, die wir lieben, die Orte, an denen wir leben, vor Zerstörung zu bewahren, und die Weise, wie wir leben wollen, zu verteidigen.

Der Text ist keine hohe Literatur oder theoretische Abhandlung. Man merkt dem Buch an, wie sehr dem Autor das Thema auf den Nägeln brennt. Stilistisch kann man einiges kritisieren, und ein sorgfältigeres Lektorat hätte dem Buch gutgetan. Aber das ist angesichts des Themas nebensächlich.

Ruth Roebke, Frankfurt