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Die späten Tage

Autor
Wodin, Natascha

Die späten Tage

Untertitel
Über das Altwerden und eine späte große Liebe 
Beschreibung

Ist man jemals zu alt für die Liebe? Der achtzigjährigen Natascha Wodin ist sie vor sechs Jahren noch einmal begegnet. Mit allem, was dazu gehört: Bewunderung, Romantik, Leidenschaft, aber auch Streitigkeiten und Kämpfe. Nun, sechs Jahre später – Wodin ist achtzig, ihr Freund Friedrich sieben Jahre älter als sie – tritt das Alter mit aller Wucht in den Vordergrund. Krankheit, Schmerzen und körperlicher Verfall bestimmen zunehmend den Alltag. Die späten Tage enthält – neben zumeist kurzen Beschreibungen ihres gemeinsamen Lebens in Wodins Haus am See in Brandenburg oder bei Friedrich in Lübeck – Erinnerungen an das Leben der Autorin, Reflektionen über Arbeit und Liebe, über Glück, Enttäuschung, Freundschaft, Krankheit und Sterben. Erzählt in kurzen, prägnanten Sätzen, die nichts beschönigen und oft die Grenze des Sagbaren streifen, dabei niemals larmoyant, aber häufig ironisch und hinreißend komisch sind, fesselt dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Rowohlt Verlag, 2025
Seiten
288
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-498-00334-0
Preis
24,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Natascha Wodin, 1945 als Kind sowjetischer Zwangsarbeiter in Fürth/Bayern geboren, wuchs erst in deutschen DP-Lagern, dann, nach dem frühen Tod der Mutter, in einem katholischen Mädchenheim auf. Auf ihren 1983 erschienenen ersten Roman Die gläserne Stadt folgten zahlreiche weitere Veröffentlichungen, darunter die Romane Nachtgeschwister und Irgendwo in diesem Dunkel. Ihr Werk wurde unter anderem mit dem Hermann-Hesse-Preis, dem Brüder-Grimm-Preis und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet, für Sie kam aus Mariupol wurden ihr der Alfred-Döblin-Preis, der Preis der Leipziger Buchmesse und der Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil 2019 verliehen. 2022 wurde sie mit dem Joseph-Breitbach-Preis für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet. Natascha Wodin lebt in Berlin und Mecklenburg.

Zum Buch:

Zwei Menschen über siebzig: die Schriftstellerin Natscha Wodin, Kind russischer Zwangsarbeiter, die nach dem Krieg in Deutschland blieben, und der sieben Jahre ältere, in der DDR aufgewachsene Friedrich, der nach seiner Flucht in die BRD zum damals jüngsten Mathematikprofessor des Landes wurde. Beide leben alleine und haben sich darin eingerichtet. Sie sind nicht unzufrieden, aber auch nicht glücklich. Als sie aufeinandertreffen, ist es Liebe. Anfangs überwiegen Erstaunen über die Intensität der Gefühle, Romantik und Leidenschaft, dann aber, wie in den meisten Beziehungen, kommt es auch zu heftigen Auseinandersetzungen und Zerwürfnissen. Aber ihre Liebe bleibt. Immer häufiger schiebt sich das Alter, drängen sich beider Krankheiten in den Vordergrund. Wodin ist kaum noch im Stande zu laufen und Friedrich hat nur noch eine Herzleistung von dreißig Prozent. In Wodin kommt der Wunsch auf, das unweigerlich kommende Ende nur mit sich selbst auszumachen. Aber da ist auch die Angst vor dem erneuten Alleinsein und vor allem die Erkenntnis, den anderen nicht im Stich lassen zu können. Denn ihre Liebe bleibt.

Wodin beschreibt ihren Alltag zwischen ihrem Haus am See in Brandenburg und Friedrichs von seiner reichen Frau geerbtem und mit Antiquitäten vollgestopftem Haus in Lübeck. Der Text ist durchmischt mit den Erinnerungen der Autorin an ihre Herkunft und ihr Leben, ihr Aufwachsen in der „Russensiedlung“ am Rande der Stadt, den Selbstmord ihrer Mutter, ihre schwierigen Beziehungen zu Männern und ihren nur aus eigener Kraft erreichten Weg als Dolmetscherin, Übersetzerin und Schriftstellerin – aber auch mit Reflektionen über Liebe, Glück, Enttäuschung und Angst, Freundschaft, Krankheit und Sterben.

Das Buch beschreibt keinen sanft-melancholischen Nachsommer eines alten Paares. Die späten Tage erzählt zwar vom Erstaunen und der Freude über das unwahrscheinliche Geschenk der späten Liebe, aber auch von der Angst, wie es weitergehen wird mit den immer schwächer werdenden Körpern, den zunehmenden Schmerzen und dem Gefühl, durchhalten zu müssen, weil man den anderen nicht im Stich lassen kann. Wodin beschönigt nichts, weicht nicht aus – und manches ist beim Lesen schwer auszuhalten. Trotzdem ist die Lektüre nicht niederschmetternd, denn das Spektrum der Themen reicht von den existentiellen Fragen von Leben und Sterben bis zu kafkaesken Szenen des deutschen Alltags, etwa den Versuch der Autorin, ihren Pass verlängern zu lassen, was an der in Sütterlinschrift verfassten Geburtsurkunde und den unterschiedlichen Schreibweisen ihres Namens grotesk scheitert. Erzählt in kurzen, prägnanten Sätzen, die nichts beschönigen und oft die Grenze des Sagbaren streifen, dabei niemals larmoyant, aber häufig ironisch und hinreißend komisch sind, fesselt die Lektüre von der ersten bis zur letzten Seite.

Ruth Roebke, Frankfurt